Internetausbau im ländlichen Raum – So „schnell“ gehts


Ich wohne auf dem Land. Dort gibt / gab es kein schnelles Internet, da sich Provider weigerten, den Ausbau zu bezahlen.
Dies sei zu teuer und würde sich nicht rechnen, da es zu wenig Kunden geben würde.
Diese Ausrede nutzen sie Deutschlandweit.
Da es jetzt endlich soweit ist und ich endlich mal das „Neuland“ in einer nutzbaren Geschwindigkeit bekomme, möchte ich mit diesem Text, den Leidensweg einmal aufzeigen, den es braucht, um etwas mehr aus der Internetleitung zu quetschen.
Diesen Leidensweg müssen viele Menschen in Deutschland gehen, da der Ausbau des Internets im Schneckentempo voran geht.

Ich werde hier in diesem Text absichtlich keine Namen nennen.
Ich möchte keine Person direkt angreifen aber gleichzeitig niemanden in Schutz nehmen.
Personen die sich mit diesem Projekt angesprochen fühlen, sollen dies auch sein. Denn diese können hier nachlesen, was sie angestellt haben.
Somit bleibt es hier im Text beim „Zweckverband“ und beim „Provider“.
Wer genau wissen möchte, wer hier sein Schindluder getrieben hat, muss einfach mal die Zeitstempel in einer Internetsuchmaschine eingeben und nach News und Events suchen. Dann kommt man schnell auf 3-4 Projekte. An allen ist der “selbe Laden” schuld.

Für was braucht ich überhaupt schnelles Internet?
Nun, wie du sicher sehen kannst, gibt es hier auf der Homepage viele Videos und auch Livestreams.
Um ein Video in angenehmer Zeit hochladen zu können, braucht es eine gute Uploadgeschwindigkeit. Auch Livestreams brauchen einen guten und stabielen Upload.
Ich spiele auch sehr gerne und die neusten Spiele brauchen des öfteren Updates, was zum teil mehrere Stunden benötigt. Ganz davon abgesehen sind neue Spiele meist über 50GB groß, was eine Downloadzeit von über 24 Stunden mit sich bringt.

Ich hab diesen Text etwas zusammengefasst und Zeitlich sortiert.
Wer sich jetzt denkt, diese Geschichte sei Erfunden oder ein Einzelfall, dem kann ich versichern, das alles hier so passiert ist und dies absolut kein Einzelfall ist.

Standpunkt November 2014:

Ich sitze hier mit meiner DSL 6000 RAM, welche ich bei der Telekom gebucht habe.
Da mir vor allem der Download von ca. 7000kbps und der Upload von 1800kbps zu langsam ist, hab ich mir 2013 eine zweite Leitung gebucht. Diese konnte ich recht einfach koppeln und somit eine 14k-Leitung erstellen.
Für ein Vier-Personen-Haushalt leider etwas zu wenig.
Internet via LTE gibts von der Telekom nicht, daher fällt das aus.
Über Satellit hab ich das auch schon getestet. Dort ist die Ping bei ~700ms und es kommen nur maximal 20k an. Verträge sind sehr teuer und mit Datenvolumen versehen. War also auch nicht so super.
Doch am nächsten Tag traute ich meinen Augen nicht! Da stand doch tatsächlich in der Zeitung, dass das Land Baden-Würtemberg den Ausbau des Internets im ländlichen Raum fördern will und meine Gemeinde einen Zuschuss erhalten hat.
Die Planung sei schon länger begonnen und die Bauarbeiten beginnen im Frühling 2015 wenn der ganze Schnee weg ist.
Mein Gedanke dazu: Jayyyyyyyy \o/
Anlass dafür waren auch diverse Firmen im Ort, die ebenfalls mehrere DSL 6000er Leitungen buchen mussten, um die Firma online halten zu können.

Planen und verlegen des Kabels wird der Zweckverband übernehmen und der Betreiber wird ein lokales Unternehmen sein.
Somit ist die Telekom raus!

Standpunkt März 2015:

An einem Infoabend gab es endlich wertvolle Informationen, welche des Ausbau betreffen.
Dort war klar zu erkennen, das ich sogar ein Glasfaseranschluss bekommen könnte und dieser zum Teil aus dem Zuschuss bezahlt wird. Somit entstehen weniger Kosten für mich als Hausbesitzer.
Denn ich lieg an der Hauptleitung und daher muss nichts extra gegraben werden.
Bedeutet: Das Glasfaser bis an mein Grundstück wird bezahlt und der Hausanschluss lassen sie auch Springen. Nur das was an Kabel auf meinem Grundstück liegen sollte (1 Meter) und Hausintern (5 Meter) muss man selbst bezahlen.
Okay! Damit bin ich voll und ganz zufrieden! Das bisschen Kabel verlege ich auch noch selbst.

Was wird dann ankommen?
Der Anbieter verkündet stolz: VDSL mit 50k/10k und FTTH mit 50k/10k und 150k/10k für alle im Dorf und alle die etwas außerhalb Wohnen bekommen definitiv VDSL.
Mein Gedanke: Hallo Neuland!!!

Wer Plant das ganze?
Die Planung und Verlegung der Leerrohre sowie Kabel wird vom Zweckverwand übernommen.
Somit gehört das Glasfaserkabel der Gemeinde und der Betreiber muss nur Internet drauf geben. Somit kann auch jeder Provider ins Netz kommen.

Wann sollten die ersten ans Netz gehen?
Der Zweckverband verkündet dabei, das ende September 2015 das Hauptkabel und die notwendigen Verteilerkästen gelegt sind und dann die ersten ans Netz können.
Wer mit VDSL zufrieden ist, kann auch dann ans Netz kommen.
Mein Gedanke: Da die Hauptleitung vor meiner Haustür vorbei geht, darf ich wohl auch ab September dran. Sollte kein Problem sein, den Meter zu legen.
Das war wie sich später heraus stellt, ein falscher Gedanke, denn so „schnell“ geht es mal wieder nicht.

Man betone auch noch, “Wichtig für alle die Glasfaser wollen:”
Es wird ein Schreiben in den nächsten 2 Wochen versendet. Man soll angeben ob man einen Glasfaseranschluss will und wie viel Adern ins Haus gelegt werden sollen.

Dieses Schreiben kam auch tatsächlich 2 Wochen später.
Ich habe es ausgefüllt und 4 Anschlüsse beantragt.
(Ich hab 4 angegeben, damit ich in der Zukunft auch z.B. mehrere Leitungen mal bündeln kann, wenn das technisch Mögliche nicht mehr reicht. Kostet ja nichts für mich).
Es war auch noch ein Grundstücksplan dabei, auf dem man den Hausanschluss einzeichnen sollte. Dies ist auch notwendig, da man so selbst bestimmen konnte, wo man am besten am Haus ein Loch bohren kann.

September 2015:

Wo bleibt mein Glasfaserkabel?
Öhm, ja das wird wohl nichts.
Das Land BW / der Staat hat noch nicht das Geld raus gerückt. So kann der Ausbau aktuell nicht weiter gemacht werden.
Ähm was?! Ein seit fast einem Jahr geplantes Projekt hat immer noch kein Geld erhalten?! Was stimmt denn bei denen nicht? Sind die Politiker und Beamte wieder am Schreibtisch eingeschlafen oder was?
Wenn ich ein Projekt beginne, achte ich doch im Vorraus darauf, das genügend Geld da ist oder?
Okay, geben wir denen noch ein paar Tage Zeit, vielleicht hat die Bank noch keine Überweisung getätigt. Schließlich ist ja Freitag 😉
Aber auch in den nächsten Wochen regte sich nichts mehr.

November 2015:

Noch immer kein Kabel in Sicht. Ich schrieb eine Mail ans Rathaus (Bauamt) und hab höflich nachgefragt, wann denn endlich jemand mal das Kabel verlegen will. Dort kam die Info, das die Bauarbeiten nun endlich begonnen wurden, da das Geld da war.
Als erstes wird die Hauptleitung verlegt und dann alle Anwohner an der Leitung angeschlossen. Der Rest bekommt Vorübergehend VDSL.
Da für die Hauptleitung viel Straße aufgerissen werden muss, wird es eine weile brauchen, bis das alles erledigt ist.
Das ist ja verständlich.
Meine Antwort: Okay, passt!
Denn ich konnte nun endlich ein paar Bauarbeiter mit Bagger und Leerrohren im Dorf sehen, die fleißig die Rohre verlegten. Sie mussten sich auch beeilen, da der Winter vor der Türe stand.

März 2016:

Der Schnee war weg und die Bauarbeiter weider da! Jetzt auch sogar vor meiner Türe! Wow, das hat sich nur etwa um ein halbes Jahr verzögert. UM EIN HALBES JAHR!!! Die “Winterpause” habe ich hier jetzt mal nicht mit rein gerechnet.
Voller freunde bin ich zu den Herren und hab mal eine Frage gestellt: Wann gibts das Kabel? Hier seh ich nur das Leerrohr und das ist etwas zu „dick“ für mein Anschluss 😀
Die Antwort: Kabel? Kein Plan! Ich verlege hier nur das Leerrohr für die Hauptleitung.
Mein Gedanke: Was sind da wieder für Pfosten in der Planung tätig!

Mehr sah man bisher nicht. Die Bauarbeiter haben wieder etwas Teer in der Straße verteilt und wurden danach nie wieder gesehen.

Zack – Wieder eine Mail raus und nach dem Stand der Dinge gefragt. Denn wer vergräbt denn ein Leerrohr, ohne ein Kabel direkt rein zu ziehen? Dann wird sicher in die Hose gehen, da die Rohre eventuell schonwieder verstopft sind oder abgeknickt wurden. (Sowas passiert nunmal).

Juni 2016:

3 Monate später – Der Startschuss für das Glasfaser-Netz!
Mit einem Event bei dem Netzbetreiber, Landrat, Zweckverband, Bürgermeister, ein paar „wichtige“ Leute und einige aus der Gemeinde sich versammelt hatten und das Netz in „Betrieb“ genommen hatten.
Schön alles mit Präsentation und Demonstration, wie toll doch das neue Internet schon läuft.

Kurze Meinung dazu: Außer Zahnbelag haben die Leute nichts drauf. Denn da kam nur (wie üblich) viel heiße Luft rüber ohne Inhalt. Ich musste mir das Lachen verkneifen, da vorallem die Politiker komplett mit ihrem Standpunkt daneben lagen.
Der Bürgermeister versuchte noch alles zu Retten und war sichtlich Erleichter, das es nun enlich etwas Internet gibt, aber die Sinnfreien Reden  konnte er nicht ausbügeln.

Moment mal …. ich hab immer noch kein Kabel vor meiner Türe!
Nachfrage beim Betreiber: Wann bekomme ich Internet?
Antwort: Anfang September! Denn hier (beim Event) läuft nur die Hauptleitung und nur zu Demozwecken. Ab August schalten wir alles an, denn wir müssen die Verteilerkästen noch komplett anschließen.
Meine Antwort: Okay! Der neue Vertrag wird unterzeichnet, denn es muss jetzt schnell gehen, da mein Telekom-Vertrag eine Kündigungsfrist hat und diese ende August 2016 endet – wie praktisch … !
Der Geschäftsführer des Providers persönlich hat mir zugesichert, mich ab September mit VDSL zu versorgen, damit ich nicht „offline“ sein muss. Er wird auch den Telekomvertrag übernehmen, sollte sich etwas verzögern.

September 2016:

Ich guck aus dem Fenster – Kein Glasfaserkabel in Sicht.
Ich schrieb erneut eine Mail ans Rathaus.
Antwort: Leider verzögert sich der Ausbau. Warum das so ist, kann man aber nicht sagen. Ich soll mich an den Zweckverband wenden.
– Okay, dann schreib ich denen eben, denn die nette Dame die mir die Mail geschrieben hat, hat von Technik 0 Ahnung. –
Antwort vom Zweckverband: Das könne man aktuell nicht sagen, da niemand wirklich wies, wie lange es noch dauert. Ich soll mich gedulden.

Ich bin ein Planer von einem Projekt, aber setze keine Baufristen? Was ist denn das für ein Saftladen?! Man wird doch wohl wissen, wie lange ein Bauvorhaben dauert? Auch wird man doch unterrichtet, wenn die Arbeiter mal Urlaub haben und kann sich danach richten, um die Plaung optimal durchzufüren. Zudem sind es Sub-Firmen die alles errichten.
Nein ich spreche hier jetzt nicht von „es sollte möglich sein“, sonder von „in einem gut geführtem Betrieb, ist das Alltag“! Es kann doch nicht sein, das man hier als Endverbraucher wieder total im Stich gelassen wird und das vom Landkreis!
Ich muss bei der Telekom kündigen und hab ab September dann kein Internet und Telefon mehr! Macht hinne!!!

Also hab ich meinem neuen Provider angerufen und das Problem geschildert. Auch hab ich erwähnt, das der Chef mir versicherte, das ich Internet bekomme.
Die Antwort: Oh das ist wirklich dumm gelaufen. Wir übernehmen ab September den Telekom-Vertrag für Sie! Dadurch sind sie aus der Vertragslaufzeit raus und können sofort wechseln, wenn wir VDSL anbieten, damit sie schon mal etwas flotter unterwegs sind.
Meine Antwort: Sehr gerne! Immerhin einer der hier mal was korrekt macht und Antworten liefert!

Mitte September 2016:

Die Leitung läuft! Okay, zwar immer noch die 6000 DSL der Telekom, aber ich bin „noch“ online.
Also hat mein neuer Provider alles korrekt gemacht. Nett. Zwar hab ich seit 2 Monaten meine 2. Leitung gekündigt und surfe nur noch mit einer Leitung, aber ich bin nicht offline.

Mitte Oktober 2016:

Post ist da!
Hallo, ihr neuer Provider schaltet ab dem 18.10 VDSL für Sie an! 50K/10k kommt defintiv an!
Mein Gedanke: FETT! Ich hab da Urlaub und kann direkt loslegen!
18.10.2017 0:50 Uhr – Internet ist Tot! Die Telekom hat mich abgehängt! Menoooo! War noch so schön am zocken und streamen. 🙁
Mit einem mulmigen Gefühl geh ich ins Bett. Bin ich jetzt für die nächsten Wochen offline?
18.10.2017 9:50 Uhr – Post ist da! In der Post waren die neuen Zugangsdaten! Jayy!
Eingegeben – FritzBox neu gestartet – Speedtest gemacht ………. fuuuu** jeah! 50K am „Arsch der Welt“!
Endlich kann ich mir auch Spiele in weniger als 24h downloaden.

Da ich noch ein kleines Problem hatte, welches aber schnell behoben war, musste ich Kontakt mit dem neuen Provider aufnehmen. Im Gespräch war der Dezember als Monat gekennzeichnet, an dem das Glasfaser laufen sollte. Sonst ist der Winter wieder da und da kann man schlecht Kabel verlegen.
Mein Gedanke dazu: Jup, 2 Monate mit VDSL ist absolut kein Problem.
Ich hoffe die bekommen das jetzt endlich hin, denn das Glasfaser ist seit knapp nem Jahr überfällig!
Von Anfangs September 2015 wurde jetzt November / Dezember 2016.

Dezember 2016:

Ohh, da lieg ja Schnee. Fi** dich Wetter! 😉
Neue E-Mail ans Rathaus. Die Antwort konnte man sich wieder denken.
Das Glasfaserkabel wird nach dem Winter weiter verlegt und die Hausanschlüsse verlegt. Zuerst müssen aber die Häuser mit Leerrohren versorgt werden.
Mein Gedanke: Ähhm Rohr liegt doch schon?
Wie sich später heraus stellte, war es wirklich nur das Leerrohr für die Hauptleitung und nicht für die Häuser gedacht. Abzweigstellen fehlten da komplett.
Das konnte ich nicht sehen, da ich zur Zeit der Verlegung auch Arbeiten war.
Welcher Fachidiot plant den sowas?!
Ich als gelernter Elektroniker hab da schon die Probleme gesehen:
100% sind die Leerrohre verstopft / durch unachtsames zuschütten abgeknickt worden.
… Ich behielt recht! Die Rohre waren zum Teil zu. Da musste wieder der Bagger her und der Teer aufgerissen werden, damit man ans Rohr kommt. Ein Glück war das nicht vor meinem Haus.
Hoffentlich bekommt der, der sowas geplant hat, man einen Monat kein Gehalt mehr. Ist ja schon Lächerlich!

Für alle die sich damit nicht auskennen, der normale Ablauf sieht so aus:
1. Loch buddeln
2. Leerrohr verlegen + Rohre in Häuser
3. Kabel rein ziehen
4. Loch wieder zu machen

Da hat mal wieder jemand nicht zu Ende gedacht. War aber auch nicht anders zu erwarten.

März 2017:

Eine neue E-Mail ans Rathaus wird fällig!
Die Antwort war wieder ernüchternd.
Man hätte keine Ahnung wann es weiter geht, da der Zweckverband nicht redet.
Mein Gedanke: Der Zweckverband ist ein Saftladen und gehört verbrannt!
Ich hab nun eine deftige Mail an den Zweckverband geschrieben, mit der Aufforderung, umgehend mit den Arbeiten zu beginnen und die Rohre mit sammt Kabel zu verlegen!
Eine Antwort gab es bis heute nicht!

Selbst dem Politiker der im Juni 2016 das Glasfaser mit in Betrieb genommen hatte, habe ich angeschrieben und mich heftigst beschwert.
Außer einer Antwort, das er aktuell nicht im Hause sei und sich daher nicht um die Mails kümmern kann, kam auch nicht.
… Ich weiß schon, welche Fraktion ich nicht mehr Wähle. >:D

Ende April 2017:

Es trudeln fertige Baupläne ins Haus, wo der Hausanschluss rein kommt. Wann aber jemand vorbei kommt stand nicht dabei.
Drei bis viel mal hat man einen Herren gesehen, der auf der Straße Punkte markiert hat, an denen der Hausanschluss eingeführt werden soll.
Der war meist nur für wenige Minuten da und verschwand dann wieder.

Ende Mai 2017:

Am Morgen stand doch tatsächlich ein Bautrupp vor der Tür und verlegte das Leerrohr ins Haus.
Ohne Voranmeldung waren die da und haben ihre Arbeit erledigt.
Die Nachbarn waren natürlich nicht da. Ein Glück konnte man helfen und den Arbeitern den eventuellen Eintrittspunkt ins Haus zeigen, sodass die mal alles soweit vorbereiten und verlegen konnten, bis die Nachbarn da waren.
(Ich rede hier nicht nur von einem / meinem Haus, denn jeder Nachbar mit eigenem Haus hat auch Glasfaser bekommen).

Die Antwort nach einer Beschwerde der Gemeinde: Sorry, das war die Aufgabe des Zweckverbandes. Der Plant so was.

Nicht nur ich habe an diesem Tag eine Beschwerdemail an den Zweckverband geschickt. Einige aus meinem Dorf waren sauer!
Machen die Anfänger das eigentlich wirklich zum ersten mal?! Solch eine Fehlplanung kann es doch nicht geben, oder etwa doch?

Achja, ein Glasfaserkabel wurde nicht rein gezogen. Das machen andere Bauarbeiter.
Gut, das soll auch der Elektriker machen, der sich damit auskennt. Ist ja ein etwas empfindlicheres Kabel als ein Kupferkabel.
Wow … ein echter Saftladen! Hoffentlich werden diese Planungs-Fritzen gekündigt! Die haben wohl nicht mehr gemacht, als den ganzen Tag Kaffee gesoffen und die guten Fördergelder verbraten.

Immerhin waren die Bauarbeiter nett und gründlich! Denn das Loch hab ich selbst gegraben, daher haben sie die Kosten dafür nicht aufgeschrieben und korrekt vermerkt.

Juli 2017:

Ich schrieb mal wieder an das Rathaus und den Zweckverband, wann denn jetzt endlich das verflixte Kabel kommt.
Wir es nicht Zeitnah verlegt, sind viele im Urlaub und nicht zuhause. Auch eine Voranmeldung wäre nett.
Wird dies nicht Zeitnah geschehen, werde ich andere Mittel verwenden und dafür sorgen, das der Laden keine Aufträge mehr bekommt.
(Ja das hab ich so geschrieben. Es war übrigens Mittwoch)
Eine Antwort kam ebenfalls bis Heute nicht.

An nächsten Montag Morgen stand ein Herr vor der Tür, der das Glasfaser ENDLICH einziehen möchte.
Deutsch? Konnte er nur sehr gebrochen. Sein Kollege konnte gar kein Deutsch. Toll, Leiharbeiter auf Kunden los lassen, die nur deutsch können. Klasse Vorstellung! Zumal viele alte Menschen im Dorf leben. Achja, eine Voranmeldung gabs auch nicht. Wieder einmal sind viele Nachbarn nicht zuhause, da weder Ferien waren noch jemand zufällig Urlaub hatte.
Zum Glück ging das Kabel durch das Rohr und die Verlegung im Haus bis zum Hausanschluss war ohne Probleme machbar.
Dies war scheinbar nicht überall im Dorf der Fall.
Der nette Herr legte das Kabel schön im Hausanschluss auf, testete die Leitung mit einem Messgerät und ging dann wieder.
Kollege nix deutsch, aber is am Verteiler und tut messe. Aaaha, verstehe.
Is alles gut! Wir wieder gehe und mitteilen das hier fertig.
Alles klar! Wann kommt der Provider und schaltet an?
Ich nix wisse, ich nur Hausanschluss. Ich gebe Info an Chefe weiter und der das klären.
Na klasse!

Nach einem Telefonat mit dem Provider stellte sich heraus, das eigentlich eine Info vom Zweckverband kommen sollte. Die kam aber mal wieder nicht. War ja nicht anderes zu erwarten.
Somit hab ich selbst dem Provider gesagt, das alles soweit startklar ist und ich nun endlich das Glasfaser will.
Es fehlt nur noch das Kabel vom Hausanschluss zum Netzabschlussgerät. Das sollte min. 8 Meter haben, da ich ein Stockwerk überwinden muss.
Der Provider: Ja das müssen Sie selbst besorgen. Wir liefern das nicht. Von Uns gibts nur das Netzabschlussgerät gestellt.

Was?! So ein doofes Patchkabel muss man selbst kaufen?!
Sowas sollte man einem Kunden gefälligst direkt sagen! Es wäre ja nicht zu viel gewesen, solche Infos z.B. in einen Brief dazu zu schrieben. (z.B. zur Vertragsbestätigung)
Okay, ab auf eBay und 15€ für ein Glasfaser-Patchkabel (10 Meter) investiert.
Ein Glück kenne ich mich da etwas aus und denke mit.
Ein unwissender wäre jetzt mit leeren Händen da gestanden und hätte den Provider bestellt oder ein komplett falsches Kabel gekauft.

Mitte Juli 2017:

Das Kabel ist nun im Haus und das Patchkabel ist bestellt.
Anruf beim Provider: Wir kommen am 10.8 und nehmen das Glasfaser in Betrieb. Sie sind ja soweit oder?
Ich: Jep! Alles fertig!
Neue Info noch des Providers: Wir haben neue Verträge! Es gibt für den selben Preis (der gebucht ist) noch mehr Leistung. Wir liefern 200k/40k mit FTTH!
Ich: FETT! Her damit! Andere Anbieter wie z.B. UnityMedia sind zwar günstiger, aber die gibts hier ja nicht.

10.08.2017

Heute ist der große Tag! Heute ist der Termin mit meinem Provider zur Aktivierung der Glasfaserleitung.
Kurz nach 12 war der nette Herr dann vor meiner Türe.
Er installierte mir die Netzabschlussbox über dem Router und führte ein Check der Leitung durch.
Tja, blöd nur, das seine Dokumentation falsch war und die Leitung erst mal nicht funktionierte.
Warum?
Weil im Hauptverteiler die Leitung falsch aufgelegt war.
Der Herr war immerhin so schlau und hat dies sofort gemerkt.
Nach 5 Minuten war dann die Leitung startklar.
Nachdem sich das Netzabschlussgerät im Netz registriert hat und gebootet war, konnte ich nun meine FritzBox anschließen.
Kurz die Zugangsdaten überprüft und direkt maximale Bandbreite eingegeben – 200Mbit/40Mbit
……

LÄUFT!

200K am Arsch der Welt! Wer hätte das gedacht!

Der nette Herr vom Provider war glücklich und ging dann auch wieder. Hab ihm noch schnell gesagt, wo er sich was zu futtern holen konnte. Für mehr war keine Zeit, musste ja jetzt das Internet entdecken 😉

War kommt nun an?
Nach ein paar Tests, ist folgende Leistung per FTTH Verfügbar:
Download: 210000kbps
Upload: 42000kbps
Ping: 8ms

Endlich habe ich mal eine Vernünftige und Zukunftssichere Internetanbindung.
Natürlich muss jetzt der Langzeittest zeigen, wie gut alles funktioniert.


Fazit:

Es hat jetzt knapp 1,5 Jahre gebraucht, um ein kleines Dorf mit 3000 Einwohner mit Glasfaser zu versorgen.
Dabei sind nicht mal die 3000 Einwohner am Netz, sondern nur etwa 300, da nur die, die direkt an der Hauptleitung wohnen, aktuell angeschlossen werden!
Wie man im Text entnehmen kann, hat die Planung und Umsetzung total versagt. Man wurde hin gehalten und mit neuen Monatsangaben vertröstet.
Die Ausreden, warum es nicht voran gehen kann, sind sicher auch nur frei erfunden.
Das gesamte Projekt ist um 1 Jahr verzögert und immer noch nicht fertig!

Was ich als wichtige Anmerkung noch dazu fügen möchte:
Viele ältere Einwohner kennen sich mit der Technik nicht aus und wissen nicht, ob sie Glasfaser brauchen. Sie wurden auch nicht korrekt über alles aufgeklärt.
Ich wohne auf dem „Berg“. Hier kommt nach 1-2 Metern Dreck schon Stein, was die Verlegung von Kabeln etwas erschwert. Ich kann hier aus Erfahrung berichten.
So musste zum Teil das Rohr durch alte Wasserrohre gelegt werden.

Viele Einwohner sind total verunsichert und wissen nicht genau, was sie tun sollen.
So habe ich auch in meiner Nachbarschaft ausgeholfen und ihnen das ganze gründlich erklärt.
Damit wussten sie auch Beschied und hatten dank meiner Hilfe, alle notwendigen an Dokumente und Hardware parat.
Auch den Sinn von Glasfaser hab ich ihnen erklärt und warum es sinnvoll ist, sowas ins Haus zu legen.

Durch mein Mitdenken, ist dem Provider auch einiges an Missständen aufgefallen und konnte diese verbessern.
So sind die Kunden zufrieden und mein Internet läuft.
… Ich sollte dafür bezahlt werden.
Schaut man in andere Gemeiden, wo die Provider (z.B. Telekom, UnityMedia, Vodafone,…) den Ausbau bezahlen, geht das dort viel schneller.
Dort ist alles meist nach ein paar Monaten (1-5) erledigt.
Kaum wird etwas vom Staat bezahlt, geht nichts mehr. Typisch!
Zwar kann ich am Ende froh sein, da ich eine Zukunftssichere Technik für Internet nun im Haus habe und Vectoring mir fern bleibt, aber das hätte schon vor ein paar Jahren existieren müssen / können.
Ist ja nicht so, das Deutschland sehr viel in sachen Breitband aufhohlen muss.

Warum zieht man für schnelles Internet nicht in die Stadt?
Diese Frage höre ich des öfteren und es gibt sinnvolle Antworten dagegen!
Zum einen liebe ich das Leben auf dem Land. Hier hat man seine Ruhe und kann tun und lassen was man möchte, ohne gleich von den 30 Nachbarn angejammert zu werden.
Des weiteren ist es in der Stadt nicht besser. Dort sind zu großteils die Leitungen / Verteiler überlastet und das schnelle Internet, welches gebucht wurde, kommt nicht mehr durch die Leitung.
Man kennt die Nachbarn und versteht sich. Ich hab hier alles und will auch nicht weg.
Warum sollte es also auf dem Land auch nicht das „Neuland“ in einer angemessenen Geschwindigkeit geben?

Was hätte besser gemacht werden müssen?
– Ein klares Bauziel. Wann ist es fertig und wann kann man es nutzen? Diese Infos fehlen komplett bzw. sind ungenau / falsch. Wenn man sagt, es ist am Tag X fertig, dann soll es da auch fertig sein und kein Jahr später! Hier sind auch Verträge im Spiel, die gekündigt werdern müssen!
– Eine bessere Information für den Kunden. Nicht alle sind technisch versiert und verstehen das ganze.
– Bessere Information, wofür das Fördergeld alles genutzt werden kann. Nicht alle wussten, das sie damit den Hausanschluss bezahlt bekommen haben.
– Eine bessere Verständigung aller Unternehmen und Gemeinden. Der Provider hatte keine Ahnung, was die Gemeinde und der Zweckverband plante. Die Gemeinde wusste aber auch nicht, was der Zweckverband macht.

 

 

Dies war der Leidensweg für etwas mehr Internet!
Krass oder?
Und der Ausbau ist noch lange nicht fertig! Denn bald wird es eine neue und bessere Technik geben, die die bestehende wieder ersetzen wird. Dann beginnt (hoffentlich nicht so) der Spaß von vorne!

Surfst du schon mit schnellem Internet oder kriechst du noch daher?
Hilf doch deiner Gemeinde, den Ausbau von schnellem Internet zu ermöglichen!
Das freut nicht nur dich, sondern gibt auch deinen Mitmenschen viele neue Möglichkeiten.

Du hast auch ein Leidensweg hinter dir oder noch vor dir?
Die Kommentarbox freut sich auf deine Nachricht!

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